Ich möchte meine Geschichte erzählen, da ich sehr dankbar bin, dass mich meine Eltern ernst genommen haben und sofort eingeschritten sind. Leider wurde seitens meiner Eltern danach kein aufklärendes Gespräch geführt, der Alltag ging einfach so weiter. In unserer Familie wurde sehr wenig gesprochen. Es hätte mich stärker, nicht schwächer gemacht.

Ich war zwölf oder 13 Jahre alt, als es passierte, es waren die 1970er-Jahre. Mein Tennislehrer sagte nach dem Training zu mir, dass wir doch zusammen in die Umkleide gehen sollten und er mir dann unter das Röckchen schauen wolle. Ich vermute, dass es nicht dazu kam. Ich kann mich nur daran erinnern, dass ich sofort nach Hause bin und es völlig verstört und überfordert meiner Mutter erzählte. Sie ging sofort zu meinem Vater, der auf dem Sofa ruhte. Er war ein etwas übergewichtiger ruhiger Mann. Dass er wie von einer Tarantel gestochen aufschreckte, sofort seinen Mantel überzog und mit meiner Mutter und mir das Haus verließ, wird mir immer in Erinnerung bleiben und zeigte mir die Bedeutung des Geschehenen.

Ich wusste nur, dass es falsch und bedrohlich war.

Er stellte den Tennistrainer zur Rede, ich war beim Gespräch nicht dabei. Ich weiß nur, dass ich diesen Trainer nie wieder auf dem Tennisplatz gesehen habe und seither einen neuen Trainer hatte. Leider haben meine Eltern nicht mit mir über diesen Vorfall gesprochen und mich nicht aufgeklärt. Ich wusste nur, dass es falsch und bedrohlich war.

Obwohl Schlimmeres verhütet wurde, muss es mich wohl doch mehr betroffen haben, als vermutet. Ich kann mich an Alpträume erinnern, in denen ich keine Unterhose unter dem Rock trage. Seitdem trug ich beim Tennis zwei Unterhosen unter dem Rock. Dies verblasst alles im Vergleich zu den Geschichten, die Sie veröffentlicht haben. Umso mehr lässt es mich die Dimension des Leides von anderen Kindern erahnen.